ETF-Namen entschlüsseln: Was verbirgt sich hinter den Abkürzungen?

ETF-Namen können mit ihren umfangreichen, teilweise kryptischen Abkürzungen – schon einmal für Verwirrung sorgen.

Wer könnte schon spontan erklären, was sich genau hinter dem "UBS Bloomberg Barclays MSCI Euro Area Liquid Corporates Sustainable UCITS ETF (Dist)" verbirgt?

Als ETF-Anleger sollten wir aber verstehen, was wir Kaufen und in unser Portfolio aufnehmen. Möchte dir daher erklären, wie ein ETF-Name im Detail aufgebaut ist, welche Bestandteile er hat und was die gängigsten Abkürzungen bedeuten.

Wie sind ETF-Namen aufgebaut?

Ein ETF-Name besteht aus vier wesentlichen Komponenten:

  • ETF-Fondsgesellschaft (Marke)
  • Indexname (inkl. Indexanbieter)
  • Regulatorische Hinweise
  • Weitere Merkmale (nicht bei allen ETFs).

Der Aufbau eines ETF-Namens ist also: [ETF-Fondsgesellschaft] / [Indexname] / [Regulatorische Hinweise] / [Weitere Merkmale].

Ein einfaches Beispiel ist: iShares Core MSCI World UCITS ETF (Acc)

Erste Komponente: ETF-Fondsgesellschaft (Marke)

Zu Beginn des ETF-Namens wird der Name des Anbieters / der ETF-Fondsgesellschaft aufgeführt. 

  • iShares (Blackrock Asset Management)
  • Xtrackers (Deutsche Bank)
  • SPDR ETF (State Street)
  • Vanguard (ein genossenschaftlicher Asset Manager und gleichzeitig der ETF-Pionier)
  • Lyxor (Société General)
  • ComStage (ehemals Commerzbank, gehört jetzt zu Lyxor)
  • Amundi (Credit Agricolé und Société General)
  • UBS
  • BNP Paribas Easy
  • Invesco
  • Deka ETF
  • etc.

In dem oben genannten einfachen Beispiel nennt sich der Anbieter iShares. Dies ist die ETF-Fondsgesellschaft / ETF-Marke 

Zweite Komponente: Indexname

Wertpapierindizes gibt es wie Sand am Meer.

  • Globale Aktienindizes (MSCI World, MSCI ACWI, FTSE All-World)
  • Schwellenländer Indizes (MSCI Emerging Markets)
  • Amerikanische Aktienindizes (Standard & Poors 500)
  • Europäische Aktienindizes (MSCI Europe, Stoxx Europe 600, Euro Stoxx 50)
  • Länderspezifische z.B. österreichische Index (ATX), deutsche Aktienindex (DAX, MDAX, SDAX)
  • Branchenspezifische Aktienindizes 

MSCI, Stoxx, Standard & Poors oder FTSE sind Beispiele für große Indexanbieter.

Am bekanntesten ist der Anbieter MSCI. MSCI steht für Morgan Stanley Capital International und ist der Name des US-amerikanischen Finanzdienstleisters, der die nach ihm benannten Indizes veröffentlicht. 

Die Indizes lassen sich für eine erste Orientierung in verschiedene Kategorien unterteilen. Verbreitete Indexkategorien sind:

  • Weltportfolio (MSCI World, MSCI ACWI, MSCI Emerging Markets)
  • Regionen (Europa, Eurozone, BRICS, Asien, Pacific usw.)
  • Einzelne Staaten (z.B. Deutschland, Österreich, USA)
  • Branchen (z.B. Energie, Technologie, Gesundheitswesen, Konsumgüter)
  • Rohstoffe (z.B. Öl, Edelmetalle, Industriemetalle, Landwirtschaft)
  • Spezielle Strategien (z.B. Dividenden oder Nachhaltigkeit)
  • Immobilien
  • Anleihen (Schuldverschreibungen)
  • Smart Beta (Factor Investing)

Die Kategorie findet sich im Namen meist in Verbindung mit dem Indexanbieter wieder.

In unserem Beispiel ist der Indexname MSCI World.

Dritte Komponente: Regulatorische Hinweise

In unserem Beispiel ist dies die Abkürzung UCITS.

Diese Buchstabenkombination steht für:

  • Undertakings for Collective Investments in Transferable Securities

UCITS In deutscher Sprache:

  • OGAW – Organismus für Gemeinsame Anlage in Wertpapiere 

Hierbei handelt es sich um eine Anlagerichtlinie, die den Anlegerschutz in der Europäischen Union regelt.

Geregelt wird in dieser Richtlinie, in welche Vermögensgegenstände investiert werden darf und welche Gewichtungsobergrenze für eine einzelne Aktie in einem Fonds besteht. 

Für uns als Anleger bedeutet das Kürzel UCITS also, dass beim ETF-Investment Rechtssicherheit nach europäischen Standards besteht.

Mit der abschließenden Bezeichnung ETF (für Exchange Traded Fund – börsengehandelter Indexfonds) wird eine Abgrenzung zu ähnlichen Produkten vorgenommen wie:

  • ETCs (Exchange Traded Commodities – börsengehandelte Rohstoffe)
  • ETNs (Exchange Traded Notes – börsengehandelte Inhaberschuldverschreibungen) 

Vierte Komponente: Weitere Merkmale des ETFs

Hiermit wird eine sog. Anteilsklasse beschrieben. 

ETFs werden nämlich häufig in verschiedenen Anteilsklassen aufgelegt, die sich z.B. hinsichtlich der Währung, Gebühren oder Ertragsverwendung unterscheiden.

Diese Bezeichnungen sind allerdings von Anbieter zu Anbieter unterschiedlich. Welche genauen Merkmale mit der jeweiligen Anteilsklasse verbunden sind, kannst du aus dem „Fact Sheet“ / den „Wesentlichen Anlegerinformationen“ entnehmen.

Diese Informationen sind für jeden ETF bei deiner Online Bank, wo du dein Depot hast oder eröffnen kannst, verlinkt. Zusätzlich kannst du dir alle Informationen direkt bei der ETF-Fondsgesellschaft ziehen. 

Als weiteres Merkmal enthält der ETF-Name in unserem Beispiel noch den Zusatz (Acc).

C und Acc stehen beispielweise für thesaurierende („accumulating“) ETFs, bei denen die Erträge (z.B. Dividenden oder Zinsen) wieder reinvestiert werden.

D, Dis und Dist stehen für ausschüttende („distributing“) ETFs, bei denen die Dividende an die Anleger ausgezahlt und auf dem Konto gutgeschrieben wird.

Damit ist unser einfaches Beispiel: "iShares Core MSCI World UCITS ETF (Acc)" bereits entschlüsselt.

Den Namenszusatz Core möchte ich noch ergänzen:

  • „Core“ ist die Bezeichnung einer ganz bestimmten ETF-Serie, nämlich der Hauptserie bei iShares. Es hat also nichts mit dem Inhalt zu tun und der Inhalt des ETFs ist keineswegs begrenzt auf wichtigste Aktien oder dergleichen. Dieser Zusatz ist demnach zu vernachlässigen.

Das sind eigentlich schon die wesentlichen Abkürzungen, die du als ETF-Einsteiger (der in einen Aktienindex investieren möchte) kennen solltest!

Mit den oben beschriebenen Informationen kannst du also die meisten der „einfachen“ ETF-Namen schonmal entschlüsseln.

Wenn Du Einsteiger bist, kann dir dieses Buch von Gerd Kommer zusätzlich Inspiration geben ...

Weitere Namenszusätze findest du unter folgendem link:

Vertiefung ETF-Merkmale: IMI, Ex, TR, PR, NR, TRN und Hedged?

Was verbirgt sich dahinter?

Es gibt noch eine ganze Reihe weiterer Abkürzungen und Bezeichnungen, die ein ETF-Name enthalten kann und noch nicht aufgelistet sind. Auf diese möchte ich jetzt noch eingehen.

Wichtig:

Vor deiner Entscheidung für einen konkreten ETF solltest du das „Factsheet“ durchlesen und dort nach den Informationen suchen, die du benötigst für deine Anlageentscheidung. Die meisten Privatanleger lesen nur die Headline eines ETFs - großer Fehler! Börsenweisheit: Hin und Her macht Taschen leer!  

IMI: Diese Abkürzung steht für „Investable Market Index“. Das bedeutet, dass der Index Unternehmen aller Größenkategorien enthält: Große Unternehmen („Large Caps“), mittelgroße Unternehmen („Mid Caps“) und kleine Unternehmen („Small Caps“). 

Ex: Dieses Kürzel wird Regionen, Branchen oder Produkten vorangestellt, die von einem Index ausgeschlossen sind. So enthält z.B. der Index MSCI Pacific ex Japan Aktien von Unternehmen aus der Pazifikregion, aber ohne Japan.

TR (Total Return): Die Performance auf einen Blick

Total Return bezeichnet ganz allgemein den Gesamtbetrag in einem bestimmten Zeitraum. Der Total Return ist gleichzeitig einer der häufigsten Wege, um die Wertentwicklung eines Index zu verfolgen.

Hierbei werden alle Ertragsquellen der Wertpapiere im Index berücksichtigt. Als erstes natürlich die Kursgewinne und -Verluste aus den Veränderungen des Aktienkurses, aber auch Dividenden und Zinserträge aus den Wertpapieren im Index.

Das bekanntes Beispiel für die Abkürzung TR ist der DAX, er ist also ein TR-Index. Man spricht hier auch von einem Performanceindex, weil durch die Einbeziehung der Dividenden in die Indexberechnung die Kursentwicklung wirklich den Ertrag widerspiegelt.

PR (Price Return): Die reine Kursentwicklung

Im Gegensatz zum TR, handelt es sich beim PR um eine Berechnungsmethode, die ausschließlich auf der Änderung der Preise beziehungsweise Kurse der zugrundeliegenden Wertpapiere beruht. Beim Price-Return-Ansatz werden alle Zinserträge oder Dividenden ignoriert. Der Fokus bei der PR-Methode liegt ausschließlich auf den Kursbewegungen innerhalb eines bestimmten Marktbereichs.

TRN für Total Return Net (Nettoertrag gesamt). Bei den mit diesen Abkürzungen versehenen ETFs profitiert man als Anleger an den Nettodividenden „nach Steuern“, die Quellensteuer wurde hier bereits abgezogen.

NR steht für Net Return (Netto-Ertrag) 

Hedged: Möchten Anleger kein Wechselkursrisiko gegenüber einer anderen Währung eingehen, können sie in währungsbesicherte ETFs investieren. 

Unterschieden wird zwischen einer täglichen („daily hedged“) und einer monatlichen („monthly hedged“) Währungsabsicherung.

Faktoren: Size, Value, Momentum, Quality, Volatility und Dividenden

Size: Small Caps und Mid Caps, also kleine und mittlere Unternehmen, sind oft flexibler als große Konzerne. Es handelt sich dabei oft um aufstrebende Start-ups oder mittelständische Unternehmen, die in einem Nischensegment eine weltweit führende Position einnehmen. Beispiel: MSCI World Small Cap.

Value: Bei Value-Aktien handelt es sich meist um große Unternehmen, die ein seit langem bewährtes Geschäftsmodell erfolgreich betreiben. Gleichzeitig sind diese Unternehmen günstig bewertet. Diese günstige Bewertung lässt sich anhand von Kennzahlen wie Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) oder Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) festmachen. Beispiel: MSCI World Value.

Momentum: Im Zuge einer Momentum-Strategie setzen Anleger auf Aktien mit einer großen Kursdynamik (Momentum), also auf Aktien, die in den letzten 12 oder 18 Monaten eine überdurchschnittliche Rendite erzielten. Fortschreiben in die Zukunft lässt sich eine solche Überrendite natürlich nicht, und derartige Aktien sind auch schon verhältnismäßig teuer. Beispiel: MSCI World Momentum.

Quality: Qualitätsaktien zeichnen sich dadurch aus, dass sie gewisse Qualitätsmerkmale aufweisen, die anhand einer fundamentalen Analyse ermittelt werden.  Zu den Qualitätsmerkmalen gehören: Eigenkapitalrendite, ein geringer Verschuldungsgrad sowie hohe und konstante Gewinne. Beispiel: MSCI World Quality.

Volatilität: Als sog. „Low-Volatility-Aktien“ werden schwankungsarme Titel bezeichnet, die keine größeren Kursbewegungen nach oben oder unten vollziehen. Damit können Anleger Risiken im Depot minimieren. Solche Unternehmen erleiden keine so hohen Verluste in Krisenzeiten, erzielen aber in guten Zeiten auch oft geringere Gewinne. Beispiel: MSCI World Minimum Volatility.

Dividenden: Wirtschaftlich gesunde Unternehmen erwirtschaften Erträge, die anteilig als Dividenden an die Aktionäre ausgeschüttet werden. Hierbei gibt es Unternehmen, die besonders hohe Dividenden ausschütten – oder dies besonders konstant oder gar mit steigender Tendenz tun (sog. Dividendenaristokraten). In Zeiten von niedrigen Zinsen erscheinen solche Aktien besonders interessant. Beispiel: S&P Global Dividend Aristocrats.

Wer mehr über Faktor Investing erfahren will, kann sich das Buch von Gerd Kommer holen ...

Achtung:

Die Überrendite (Faktorprämie) solcher Faktoren lässt sich – zumindest für einige der genannten Faktoren – anhand empirischer Daten belegen. Allerdings tritt eine solche Überrendite nicht in allen Zeiträumen gleichermaßen auf.

Anleihen ETFs: Ein eigenes Namens-Universum

Ein Wertpapier-Portfolio setzt sich klassischerweise aus einem risikoreicheren (Aktien-) Anteil und einem risikoärmeren (Anleihen-) Anteil zusammen. Bei meinen bisherigen Ausführungen lag der Fokus auf Aktien-Indizes. Doch auch für Anleihen gibt es Indizes und ETFs mit speziellen Namenszusätzen. Auf diese Bezeichnungen möchte ich auch noch kurz eingehen:

3-5 (year), 1-3yr etc.: Derartige Jahresangaben informieren über die Restlaufzeit der in einem Index enthaltenen Anleihen.

Government und Sovereign: Hiermit werden Staatsanleihen bezeichnet.

Corporate: Hierbei handelt es sich um Unternehmensanleihen.

Aggregate: Solche Indizes enthalten sowohl Staats- als auch Unternehmensanleihen.

Covered Bonds: Diese Anleihen sind von einer Hypothekenbank oder Pfandbriefbank herausgegebene Wertpapiere.

Interest rate hedged: Solche ETFs enthalten eine Absicherung gegen Zinsänderungsrisiken.

Inflation linked bonds (TIPS): Derartige Anleihen bieten dem Anbieter einen Schutz vor dem Inflationsrisiko.

High yield bonds: Bei solchen Papieren handelt es sich um Anleihen mit einer hohen Verzinsung. Das hört sich erstmal gut an. Allerdings ist die hohe Verzinsung i.d.R. auf eine geringere Bonität der Emittenten zurückzuführen. Daher werden diese auch (weniger positiv) als „junk bonds“ (also „Ramsch-Anleihen“) bezeichnet.

Fazit: Nicht abschrecken lassen

Wenn man den grundlegenden Aufbau verstanden und sich die wichtigsten Abkürzungen vergegenwärtigt hat, dann ist ein (auch längerer) ETF-Name gar nicht mehr so kompliziert, wie er auf den ersten Blick erscheint.

Somit sollte ein zunächst kryptisch erscheinender ETF-Name – nach entsprechender „Entschlüsselung“ – nun kein Grund mehr sein, sich von einer Investment-Entscheidung und einem Start an der Börse abhalten zu lassen.

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